Fühlen ist nicht universell: Wie Kultur unsere Emotionen prägt

Hast du dich schon einmal gefragt, ob Traurigkeit, Wut oder Freude überall auf der Welt dasselbe bedeuten?

Die Psychologie zeigt uns, dass Gefühle nicht nur biologisch, sondern auch kulturell geformt sind.

Sind Emotionen wirklich universell?

Der Psychologe Paul Ekman entdeckte, dass bestimmte Gesichtsausdrücke wie Lachen oder Weinen weltweit erkannt werden. Aber Forscher wie Hazel Markus, Shinobu Kitayama und Catherine Lutz zeigten, dass die Art, wie wir Gefühle erleben und ausdrücken, stark von unserer Kultur beeinflusst wird.

In vielen westlichen Gesellschaften gilt es als gesund und authentisch, die eigenen Emotionen offen zu zeigen. In Japan hingegen wird emotionale Zurückhaltung geschätzt, um die Harmonie in der Gruppe zu bewahren.

Das bedeutet nicht, dass Japaner weniger fühlen – sie fühlen anders.

Ein alltägliches Beispiel

Stell dir vor, du bist bei einem Geschäftsmeeting. In Spanien wäre es normal, Begeisterung mit Gesten und einem lauten „¡Qué bien!“ auszudrücken. In Japan hingegen würdest du eher ein zurückhaltendes Lächeln sehen – nicht, weil die Freude kleiner ist, sondern weil sie auf eine andere Weise gezeigt wird.

Sprache formt Gefühle

Auch die Wörter, die uns zur Verfügung stehen, beeinflussen, was wir fühlen.

Beispiele:

  • Schadenfreude (Deutsch): Freude über das Unglück anderer – ein Wort, das in vielen Sprachen fehlt.
  • Amae (Japanisch): Das süße Gefühl, sich abhängig und umsorgt zu fühlen.
  • Morriña (Galicisch/Spanisch): Eine tiefe, melancholische Sehnsucht nach der Heimat.

Wenn eine Kultur ein Wort für ein Gefühl hat, wird dieses Gefühl bewusster erlebt.

Warum das wichtig ist

Die Psychologie spricht hier von kultureller Psychologie der Emotionen: Unsere Kultur entscheidet, welche Gefühle wir betonen, welche wir kontrollieren – und sogar, welche wir kaum wahrnehmen.

Das macht uns nicht weniger menschlich, sondern zeigt die unglaubliche Vielfalt der emotionalen Erfahrung.

Reflexion

Das Verständnis dafür, dass Gefühle kulturell geprägt sind, kann uns offener und empathischer machen. Wenn jemand eine Emotion anders ausdrückt als wir es gewohnt sind, bedeutet das nicht, dass er weniger oder mehr fühlt – nur, dass seine Kultur ihm eine andere Ausdrucksform gelehrt hat.

👉 Wenn du noch tiefer in dieses Thema eintauchen möchtest, sieh dir das komplette Video auf unserem YouTube-Kanal PsyLife an. Dort erfährst du mit anschaulichen Beispielen, wie Kultur und Emotionen zusammenwirken.

Schreibe einen Kommentar