Emotionen und Kultur: Wie die Gesellschaft unsere Gefühle formt

Hast du dich schon einmal gefragt, ob das, was du fühlst, wirklich nur aus dir selbst kommt – oder ob es von der Welt um dich herum geprägt wurde? Emotionen wirken oft wie natürliche, automatische Reaktionen. In Wirklichkeit werden sie jedoch stark von der Kultur und der Gesellschaft beeinflusst, in der wir aufwachsen. Schon als Kinder lernen wir, welche Gefühle „angemessen“ sind, wie wir sie ausdrücken dürfen und wann wir sie besser verbergen sollten.

Das kulturelle Drehbuch der Emotionen

Stell dir eine Beerdigung vor. In manchen Kulturen wird Trauer laut gezeigt – mit Weinen, Schreien oder sogar Gesang. In anderen Kulturen gilt Schweigen und Zurückhaltung als Zeichen des Respekts. Beides sind Ausdrucksformen derselben Emotion – Traurigkeit –, aber durch kulturelle Erwartungen gefiltert. Psychologen sprechen hier von emotionalen Normen: unsichtbaren Regeln, die uns sagen, was wir in bestimmten Situationen fühlen und zeigen „sollen“.

Goffman und die Bühne der Emotionen

Der Soziologe Erving Goffman verglich das soziale Leben mit einem Theater. Jedes Mal, wenn wir mit anderen interagieren, spielen wir eine Rolle. Emotionen sind dabei Teil unserer Aufführung. Ein Beispiel: Du lächelst bei der Arbeit höflich, auch wenn du verärgert bist, weil das „Drehbuch“ Professionalität verlangt. Das bedeutet nicht, dass deine Gefühle unecht sind, sondern dass du gelernt hast, sie an die jeweilige Bühne anzupassen.

Emotionen im kulturellen Vergleich

Die Anthropologin Catherine Lutz untersuchte, wie Emotionen von Kultur zu Kultur variieren. Auf einigen pazifischen Inseln gilt es zum Beispiel als gefährlich und egoistisch, Wut zu zeigen, während sie in anderen Gesellschaften als Zeichen von Stärke akzeptiert wird. Diese Unterschiede zeigen, dass Emotionen nicht nur biologisch, sondern auch kulturell geprägt sind. Sie erinnern uns daran, dass das, was wir für „normal“ halten, nicht universell ist – sondern davon abhängt, wo wir sind und mit wem wir zusammen sind.

Warum ist das für dich wichtig?

Wenn du die kulturelle Seite von Emotionen verstehst, verändert das deinen Blick auf dich selbst und auf andere. Das nächste Mal, wenn du dich schuldig fühlst, weil du „nicht wie erwartet“ reagierst, frage dich: Geht es wirklich um mich – oder um Regeln, die ich gelernt habe? Und wenn jemand seine Gefühle anders ausdrückt, denk daran: Es könnte einfach ein anderes kulturelles Drehbuch sein.

Entdecke mehr auf unserem Kanal

Auf unserem Kanal PsyLife findest du ein Video, das diese Ideen klar und anschaulich erklärt. Von Goffmans Theorie der sozialen Aufführung bis hin zu Catherine Lutz’ Forschung erfährst du, wie die Gesellschaft nicht nur prägt, was wir fühlen, sondern auch, wie wir unsere Emotionen erleben.

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