Hast du dich schon einmal gefragt, wie weit du gehen würdest, wenn dir eine Autoritätsperson etwas befiehlt? Die Geschichte des Milgram-Experiments gehört zu den faszinierendsten und beunruhigendsten Kapiteln der Psychologie – und sie bringt uns noch heute zum Nachdenken über unsere eigenen Entscheidungen.
Der Ursprung des Milgram-Experiments
Im Jahr 1961 entwarf der Psychologe Stanley Milgram an der Yale University ein Experiment, das die Welt erschüttern sollte. Er wollte verstehen, warum so viele gewöhnliche Menschen während des Holocaust Befehlen gefolgt waren und grausame Handlungen begangen hatten. Könnte es sein, dass auch ganz normale Bürger in einem Labor gefährliche Befehle ausführen würden?
Der schockierende Ablauf
Die Freiwilligen glaubten, sie nähmen an einer Studie über Gedächtnis und Lernen teil. Ihre Aufgabe war es, einem anderen Teilnehmer bei falschen Antworten Elektroschocks zu verabreichen. In Wirklichkeit erhielt niemand Stromstöße – der “Schüler” war ein Schauspieler.
Doch für die Versuchspersonen wirkte alles echt. Mit jedem Fehler wurden die angeblichen Schocks stärker. Bald hörten die Teilnehmer Schreie, Klopfgeräusche an der Wand und schließlich völliges Schweigen. Trotzdem drängte der Mann im weißen Kittel sie immer wieder: “Das Experiment muss fortgesetzt werden.”
Die Ergebnisse: Gehorsam stärker als erwartet
Die Resultate waren schockierend. Rund zwei Drittel der Teilnehmer verabreichten die maximale Spannung, die sie für lebensgefährlich hielten. Viele zitterten, schwitzten oder baten darum, aufhören zu dürfen – doch sie gehorchten weiter. Der Druck der Autorität war stärker als ihr persönliches Gewissen.
Warum ist das wichtig?
Das Milgram-Experiment zeigt eine unbequeme Wahrheit: Unter bestimmten Bedingungen sind die meisten von uns fähig, anderen Schaden zuzufügen, wenn der Befehl von einer Autorität kommt. Das wirft wichtige Fragen auf – über Verantwortung, Ethik und die Zerbrechlichkeit unserer moralischen Grenzen.
Denke an dein eigenes Leben. Hast du schon einmal etwas getan, das sich nicht richtig anfühlte, nur weil es von Vorgesetzten, Lehrern oder der Gesellschaft erwartet wurde? Milgrams Erkenntnisse sind nicht nur Geschichte, sie betreffen unseren Alltag.
Eine Lektion für heute
Auch Jahrzehnte später bleibt Milgrams Experiment ein Warnsignal vor blindem Gehorsam. In Politik, Unternehmen, Schulen oder sozialen Netzwerken – der Druck, “einfach mitzumachen”, existiert immer noch. Doch Wissen ist Macht: Wer versteht, wie Autorität wirkt, kann sich bewusst dagegenstellen.
Das nächste Mal, wenn du spürst, dass du gehorchst, ohne zu hinterfragen, erinnere dich an Milgrams Studie – und frage dich: Handle ich nach meinen eigenen Werten oder nur, weil jemand es befiehlt?
Willst du mehr erfahren?
Auf unserem YouTube-Kanal PsyLife findest du ein anschauliches Video zum Milgram-Experiment. Dort erklären wir den historischen Kontext, die Erfahrungen der Teilnehmer und warum dieses Thema auch heute noch relevant ist. Schau es dir an, wenn du die ganze Geschichte sehen willst.


